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Internationale langfristige Entwicklungen auf dem SchnittholzmarktGeschrieben von Holzweb |
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Vortrag von Dr. Josef Rettenmeier Die deutsche Sägeindustrie ist also in den nächsten Jahren einem erheblichen Konzentrationspotential unterworfen. Allein die Lage Deutschlands nach der Wiedervereinigung und seine wirtschaftliche Rolle in Europa erzeugt auch in unserer Branche eine jetzt noch unvorstellbare Dynamik. So ist auch nicht auszuschließen, dass es in den nächsten Jahren immer häufiger zu vertikalen und horizontalen Kooperationsformen innerhalb der Holz- und Forstwirtschaft kommen wird, zu Beteiligungen von Konzernen an Betrieben unserer Branche, zur Übernahme von Betrieben durch in- und ausländische Unternehmen und zur weiteren Errichtung von modernen, größeren Betrieben. Alles in allem wird unsere Branche an der Wende des Jahrtausends sowohl hinsichtlich der modernen Ausstattung als auch der Betriebsgrößenklassenstruktur mit der Österreichs und Skandinaviens gleichgezogen haben.“ Diese vorausschauende These habe ich 1993 in einem Festvortrag anlässlich der Einweihung eines Sägewerkes, an dem das Haus Württemberg beteiligt war, gegeben. Sie sehen, dass die Entwicklung in unserer Branche genau in diese Richtung gegangen ist. Ich hatte also mit dieser treffenden Vorausschau nicht ganz unrecht. Das Thema, das mir Herr Dr. Altrichter für den heutigen Tag aufgetragen hat, ist sicher noch etwas komplexer. Es ist sicher schwieriger, die weitere Entwicklung der europäischen Säge- und Holzindustrie auf die nächsten 10 Jahre vorauszusehen. Zu viele Einfluss-faktoren und Parameter, die sich heute mehr denn je immer wieder ändern, fließen in eine solche Entwicklung ein. Nun ist es immer ein gewisses Risiko, wenn man einen Blick in die Zukunft wagt. Es grenzt an risikobehaftete Vorhersage, an Prophetentum und gelegentlich auch an die Verbreitung von Unwahrheit, wie sich meist im nachhinein herausstellt. Aber dennoch sei es versucht. Die Fragen, die sich dabei stellen, sind: - Welches sind die globalen Antriebskräfte und Megatrends in der Holzwirtschaft bis zum Jahr 2010? - Ist die Wettbewerbsfähigkeit der mitteleuropäischen Holzwirtschaft in Zukunft noch gegeben; wenn ja, auf welchen Produktfeldern? - Wie entwickelt sich die Konzentration in der Sägeindustrie weiter? - Welche Trends zeichnen sich bei der Werkstoffentwicklung ab? Zu diesen Fragestellungen haben sich eine Reihe kompetenter Fachleute den Kopf zerbrochen und die Ergebnisse in Studien zu Papier gebracht. Nun sind diese Studien im allgemeinen schlecht erhältlich oder ihre Durcharbeit und das Ziehen von Schlußfolgerungen sehr anstrengend, insbesondere wenn diese in einer anderen Sprache präsentiert werden. - Zur Frage 1 greife ich zurück auf die Timwood-Studie, die im Auftrag des Finnischen Holzindustrieverbandes, der Schwedischen Vereinigung der Holzexporteure, des Norwegischen Agrarministeriums, des Sägewerksverbandes und des Norwegischen Waldbesitzerverbandes durchgeführt und erstellt wurde. Diese Studie mit ihren mehr als 650 Seiten bezieht sich auf die Produkte von Schnittholz, Spanplatten, Faserplatten, Sperrholz und OSB-Platten. - Bei der zweiten Fragestellung, nämlich nach der Wettbewerbsfähigkeit der mitteleuropäischen, insbesondere deutschen Holzwirtschaft greife ich zurück auf die SWOT-Studie. Diese Studie ist im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt worden. Zunächst also zur Timwood-Studie über die globalen Antriebskräfte und Megatrends in der Holzindustrie bis zum Jahre 2010. Die Zusammenfassung für Führungskräfte unseres Wirtschaftszweiges lautet: - Global bewegt sich die Welt in Richtung auf eine Angebotsüberschusssituation für die meisten Produkte im allgemeinen und für Schnittholz im besonderen. Der europäische Schnittholzüberschuss wird beziffert auf etwa 2 Mio. m3 jährlich bis 2010. Die Nadelschnittholzproduktion übersteigt also deutlich die Nachfrage. Diese Entwicklung gilt unabhängig konjunktureller Marktsituationen. - Asien wird die einzige Region bleiben mit einem größeren Angebotsdefizit, etwa 20 Mio. m3 bis 2010. Es wird wahrscheinlich in zunehmendem Maße beliefert durch Länder des pazifischen Raumes. Allerdings werden auch Skandinavien, Österreich und Deutschland einen guten Teil des europäischen Holzes nach Asien exportieren können. - Auf der Schnittholzangebotsseite wird das nächste Jahrzehnt charakterisiert werden durch beträchtliche neue Mengen an Plantagenholz, hauptsächlich Kiefer und Eukalyptus aus Südamerika und Neuseeland sowie den Wiederanstieg des nordamerikanischen Schnittholzüberschusses, der prognostiziert wird. Als Schlussfolgerung aus diesen Feststellungen für die europäischen Holzprodukte kann als Markttrend abgeleitet werden: - Das erhöhte Schnittholzangebot in Europa verschärft den Wettbewerb in Zukunft drastisch, insbesondere bei Standardprodukten und unter größeren Anbietern. - Die erhöhte Schnittholzproduktion in Südamerika, Ozeanien und Nordamerika wird auch den Wettbewerb auf den nordamerikanischen und asiatischen Märkten erhöhen. - Es existieren starke gemeinsame Interessen für die gesamte europäische Holzproduktindustrie, den Konsumlevel von Holzprodukten auf den europäischen Märkten deutlich zu verbessern. Der Pro-Kopf-Umsatz von Holz muss unter allen Umständen in Europa erhöht werden. Die künftigen Anforderungen an den Vertrieb der Sägeindustrie-Betriebe lauten: - Durch professionelleres Einkaufsverhalten der Kunden, die nicht nur auf den eigentlichen Einkaufspreis, sondern auf die totalen Kosten achten, müssen sämtliche Kostenreserven freigelegt werden. Sie kaufen direkt vom Erzeuger, sie sind gut informiert über alternative Rohstoffangebote und die veränderten Anbietersituationen, die sowohl ihre Bedürfnisse nach Mengen als auch ihre Wünsche auf nachfolgenden Gebieten besser befriedigen können: 1. Dienstleistungen, u.a. elektronischer Datenaustausch 2. Just-in-time-Belieferungen, Vorratshaltung, prompte Auslieferung 3. Systeme und Komponenten anstelle von reinem Massenschnittholz Zu den Substitutionstrends ist zu sagen: - Massivholz könnte Marktanteile verlieren, weil es in vielen Fällen keine Ideallösung als Werkstoff darstellt. Ebenso weil es zu wenig anpassungsfähig ist für Markt- und Kundenanforderungen hinsichtlich des wettbewerbsfähigen Preises, leichten Gebrauchs, geringer Wartung und Pflege. Hinsichtlich der Holzarten besteht ein klarer Trend zu derjenigen Holzart, die nur deshalb bevorzugt wird, weil sie ihre Funktion bei wettbewerbsfähigen Gesamtkosten erfüllt. - Die erhöhte Verfügbarkeit von preisgünstigen Fasern und verbesserter Technologie spricht für einen gesteigerten Verbrauch von Verbundprodukten insbesondere OSB statt Sperrholz, konstruktiven Trägern statt breitem und starkem Vollholz. - Und Nicht-Holz-Substitute werden ihren Marktanteil weiter ausbauen durch einen wettbewerbsfähigen Preis bei fortschrittlicher Forschung und Entwicklung durch vorangetriebene Produktlösungen. Damit meine ich insbesondere Glas, Ziegel und Beton. Die technologische Entwicklung wird mehrere verschiedene holzgestützte Materialien bis zum Jahre 2010 hervorbringen. - Im Bereich des Massivholzes werden wir es zu tun bekommen mit genetischem Plantagenholz, das eine deutlich höhere Ausbeute ermöglicht. Darauf müssen wir uns einstellen. - Röntgenstrahlscanner werden den Stamm vollkommen transparent machen hinsichtlich seiner Qualitätsmerkmale mit anschließender Verwendungs-zuordnung. - Die Elektronik und Elektrik wird uns neue, noch schnellere Produktions-geschwindigkeiten in den nächsten Jahren bescheren. - Im Bereich der Holzwerkstoffe werden OSB und MDF weiter verbessert und massivholzähnliche Eigenschaften annehmen. - Neue Holzwerkstoffprodukte dringen in den traditionellen Massivholzbereich vor. - Holz-Zement-Produkte werden weitere Einsatzgebiete erschließen. - Die Span- und insbesondere die OSB-Platte wird durch die Steigerung ihrer Festigkeit zu Konstruktionszwecken nutzbar gemacht werden können. - Die Bedeutung verschiedener Ingenieurholzprodukte wird aufgrund ihrer Produkteigenschaften zunehmen und - Es werden Holz-Polymer-Werkstoffe erwartet. Dies sind nur einige der zu erwartenden Entwicklungen. Sie sehen also, meine Damen und Herren, die Anforderungen an die Marktanpassung der Sägeindustrie werden nicht einfacher werden. Es wird auf vielen Feldern schwieriger werden, das Terrain für Massivholz zu verteidigen. Die SWOT-Studie der EU-Kommission Vor dieser Entwicklung möchte ich gleich auf die von mir erwähnte SWOT-Studie kommen und auf die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Holzindustrie im internationalen Vergleich für bestimmte Produkte eine Antwort versuchen. Die SWOT-Studie geht bis zum Jahre 2010 von einer Erhöhung der relativen Verfügbarkeit von Sägerundholz in Europa um ca. 30 Prozent aus. Gleichwohl geht sie in Nordamerika um 5 Prozent, in Südostasien – hier ist allerdings mehr Hartholz gemeint - um 20 Prozent zurück. Zunächst bedeutet dies, daß Europa die größte Verfügbarkeit von Rohstoff-ressourcen aufweist. In anderen Regionen der Welt wird die Verfügbarkeit zurückgehen. Europa wird also zum einschlägigen Anbieter von Nadelschnittholz werden, wobei dies immer unter Einbeziehung Rußlands gilt. Dazu kommen die bereits zitierten Plantagenhölzer Südamerikas, Neuseelands und Australiens. Hinsichtlich der absoluten Kosten für Rundholz befindet sich Österreich mit Deutschland in den letzten Jahren immer an der absoluten Spitze. Es folgen Finnland, der Süden der Vereinigten Staaten, Schweden und Polen. Die Länder Chile und Kanada liegen am untersten Preisniveau, Rußland sogar ganz unten. Das Bild verschärft sich allerdings noch, wenn man einen Blick auf die Erntekosten wirft. Hier liegt allerdings Rußland an der Spitze. Dann folgen schon Österreich und Deutschland. Dann folgt ein enormer Rationalisierungsschritt nach unten. Die Skandinavier müssen für die Holzernte ca. 25 % weniger Kosten ansetzen und liegen damit relativ günstig. Von den Balten wollen wir hier noch gar nicht sprechen. Was folgert nun daraus für die Wettbewerbsfähigkeit? Die Mitteleuropäische Sägeindustrie und die Sägeindustrie der Alpenländer wird der SWOT-Studie zufolge als Problemindustrie bezeichnet. Die skandinavischen Unternehmen rangieren - bei den holzqualitativen Vorteilen - eindeutig vor den Mitteleuropäern. Hinsichtlich der quantitativen Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere Menge und Preis, dominiert Rußland eindeutig vor den Mitteleuropäern. Allerdings können diese im Augenblick ihre Kostenvorteile bei Schnittholz wegen fehlender Kapazitäten noch nicht gänzlich ausnützen. Aber dafür sind die Rundholzexporte zu international interessanten Wettbewerbsbedingungen voll im Gange. Bei der Holzwerkstoffindustrie mit den Produkten Spanplatte, MDF und OSB sieht es anders aus. Weltweit findet man einen derart produktionstechnologischen Vorsprung wie ihn die mitteleuropäische Holzwerkstoffindustrie besitzt, nicht mehr vor. Der Werkstoffbereich besitzt eine hohe weltweite Wettbewerbsfähigkeit sowohl auf dem Sektor Qualität wie Quantität. Es gibt keine modernere Holzwerkstoffindustrie auf der Welt als die Mitteleuropas. Die SWOT-Analyse kommt in der Holzindustrie Europas zu folgender Zusammenfassung: - Die Stärken der europäischen Holzindustrie liegen in der nachhaltigen und expandierenden Rohstoffbasis gepaart mit einer technischen Know-How- und einer guten Ausbildungsbasis. - Sie verfügt über eine stärkere Marktnähe und über einen Marktzugang zu einem der weltgrößten Märkte und - Chancen werden auch gesehen durch ein weiteres Voranschreiten der Vereinigung Europas zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum mit entsprechender Nachfrage. - Die Wettbewerbsfähigkeit der Holzwerkstoffindustrie ist deutlich höher als die der Sägeindustrie und innerhalb dieser wiederum liegen die Nordeuropäer vor den Mitteleuropäern. Aus den Stärken lassen sich folgende Möglichkeiten ableiten: - Ausdehnung des Holzverbrauchs in Europa - Weiterentwicklung der geographischen und infrastrukturellen Vorteile bei der Industriebündelung und den Synergien in den Subsektoren - Ausnutzung der expandierenden Rohstoffbasis und Überprüfung aller Abläufe mit dem Ziel der Kostenreduzierung - Teilhabe an der Versorgungskette aus kostengünstigen Rohstoffbezugsgebieten. Die europäische Holzindustrie verfügt allerdings auch über Schwächen, die da sind: - Relativer Mangel einer „Holzkultur“ - Hohe Lohnkosten und - Geringe Rentabilität - Starkes Verbände-Splitting, zumindest in Deutschland - Geringe Nutzung von umweltbezogenen Initiativen bzw. wenig Zusammenarbeit mit NGO’s. Daraus entstehen folgende Gefahren: - Wettbewerb aus Osteuropa, insbesondere Rußland, Lateinamerika und Südostasien auf der Basis etablierter und preiswerter Rohstoffe. - Sträfliches Unterlassen der Entwicklung von Produkten und Lösungen, was zum Ersatz durch andere Baustoffe führt. Die Sägeindustrie im Konzentrationsprozess am Beispiel Deutschlands Der Druck auf die deutsche Sägeindustrie durch die Veränderungen der Rahmen-bedingungen hat sich in den letzten Jahren enorm erhöht. Die Konzentration der Abnehmermärkte, der internationale Verdrängungswettbewerb, der ständige Investitionszwang, die Veränderung der Betriebsgrößen, der Druck zur Produkt-entwicklung und Veredelung hat zu einem immer größer werdenden Bedarf an Kapital in den Unternehmen geführt. Die Erträge sind eher kleiner geworden. Wenn die deutsche Sägeindustrie in den nächsten zehn Jahren ihre Marktanteile steigern will oder wenigstens ihre Position behaupten will, muß sie hinsichtlich der Betriebsgrößen, der Finanzierungswege und der Internationalisierung neue Wege beschreiten. In Finnland, meine Damen und Herren, beherrschen noch drei große Unternehmen den wesentlichen Schnittholz-markt. In Schweden vollziehen sich augenblicklich erstaunliche Neustrukturierungen von Unternehmen, begleitet von einem dramatischen Sägersterben. Und was passiert in Deutschland? Nach dem zweiten Weltkrieg betrug die Zahl der deutschen Sägewerke noch ca. 12.000. In den Jahren 1950 10.200 1960 7.800 1970 5.500 1980 3.500 1990 2.900 2000 2.300 Sie sehen also, die Zahl der Sägewerke hat sich von ca. 12.000 nach dem Kriege auf knapp über 2.000 herunterentwickelt. Allerdings ist eine Verlangsamung eingetreten. Wir rechnen für die letzten zehn Jahren mit einer Durchschnittskonzentrationsrate von 5 % p.a. bei einer ständigen Produktionssteigerung von 9 Mio. auf 13 Mio. m3 Schnittholz in Deutschland. Von diesen ca. 2.300 Sägewerken, die augenblicklich als Betriebe statistisch erfaßt sind, haben wir ca. 40 Betriebe, die über 100.000 Fm im Jahr einschneiden. Ca. 250, die zwischen 20.000 und 100.000 Fm einschneiden. Die restlichen ca. 2000 Betriebe schneiden unter 20.000 Fm ein. Die 50 größten Betriebe Deutschlands produzieren Dreiviertel des Schnittholzes in Deutschland! Die Gründe für diese Konzentrationsentwicklung liegen im wesentlichen – und dies ist in Österreich wahrscheinlich nicht anders - in - dem Abtreten der Nachkriegsgeneration mit dem Fehlen einer geeigneten Nachfolge - der ungünstigen Standortlage und all den daraus sich entwickelnden Immissionsproblemen - den wirtschaftlichen Problemen, die Unternehmen zu bewältigen haben und aus denen sie nicht mehr herauskommen - den mangelnden Möglichkeiten der Umsetzung wettbewerbsnotwendiger Investitionen Es wird also eine weitere Reduzierung der Sägewerke in allen Betriebsgrößen-klassen geben, ob größer oder kleiner, ich würde auch nicht zu der Aussage meines österreichischen Kollegen neigen, der ein brutales Sägewerksterben in der Größenklasse zwischen 20.000 und 700.000 prognostiziert hat. Ich glaube, diejenigen werden Probleme bekommen, die sich wenig abheben zu ihren Mitbewerbern und die kein eigenes Produkt-Markt-Konzept haben und sich zu langsam oder nicht an die Veränderung des Marktumfeldes anpassen. Wir werden im Jahre 2010 insgesamt noch ca. 1.000 Sägewerke in Deutschland haben und im Jahr 2.020 noch ca. 500. Dann werden allerdings 20 Werke 90% des gesamten Schnittholzes produzieren. Dies ist eine Prognose unseres Hauses, die aus der bisherigen Entwicklung der letzten 50 Jahre vor dem Hintergrund der Entwicklungen unserer Branche und dem heute bereits gesagten aufgebaut ist. Es wird allerdings Betriebe geben, deren Spezialisierungsgrad unterschiedlich hergeleitet ist. Es wird keine Sägewerke mehr geben, die mit der Position „zwischen den Stühlen“ bezeichnet werden kann, die sich im Leistungsspektrum verzettelt haben, die Schwierigkeiten haben bei der Erfüllung ihrer Erfolgsfaktoren und die unter schlechter Ertragslage leiden. Basel II tut hier ein Übriges. Es wird aber sowohl Alleskönner geben, die über eine vollstufige Veredelung verfügen. Es wird Zielgruppenspezialisten geben, mittelgroße Sägewerke mit hoher Marktkompetenz und es wird Massenanbieter geben mit großen Einschnittsmengen. Es gibt aber auch Lokalmatadoren, die mit bis zu 20.000 Fm Einschnitt den lokalen Bedarf abdecken. Wir müssen aber damit rechnen, daß diesem voranschreitenden Konzentrationsprozeß in Deutschland, die Errichtung von großen Werken an anderer Stelle gegenübersteht wie z. B. in Rußland, in ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten, z.B. Weißrußland oder die Ukraine, aber auch in Rumänien. Diese Betriebe werden es eines Tages verstehen, uns mit Schnittholz zu billigen Preisen zu konfrontieren. Die großen skandinavischen Konzerne errichten schon gegenwärtig dort ihre Werke, wo sie über günstige Rohstoffkosten verfügen, darüber hinaus eine günstige Kostenstruktur zu nutzen in der Lage sind. Die Logistik ist heute nicht mehr das große Kostenproblem. Keine rosigen Zeiten also für die mitteleuropäische Sägeindustrie insgesamt betrachtet. Wenn wir also die vor uns liegende schwierig werdende Zeit in beiderseitigem Überlebensinteresse meistern wollen, dürfen wir keine Zeit verlieren, nicht immer nur von Zusammenarbeit zwischen Forst- und Holzwirtschaft zu reden, sondern diese auch wirklich zu praktizieren und zwar zu praktizieren nach skandinavischem Vorbild. Dabei räume ich ein, daß die dortige Kooperation aufgrund der Verflechtungen zwischen Forst- und Holzwirtschaft schon vor vielen Jahren leichter in Gang gesetzt werden konnte. Und, meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluß die Vision von einer „Neuen Holzkultur“ entwickeln. Es muß uns gelingen, in allen Ländern Mitteleuropas eine „Neue Holzkultur“ zu schaffen. Was meine ich damit? Holzkultur zieht für mich in zwei Richtungen, einmal in Richtung der Verstärkung der Holzverwendung und einmal in Richtung von mehr Akzeptanz von Holzproduktion. Die Einstellung der Öffentlichkeit, der Politik, des Verbrauchers muß holzfreundlicher werden. Die USA, Skandinavien, die Alpenländer mögen uns dabei Vorbilder sein. Was die Verstärkung der Holzverwendung betrifft haben wir einen massiven Beitrag zu leisten, Vorurteile abzubauen, den Informationsgrad über den Werkstoff Holz zu erhöhen und eine positive Grundeinstellung gegenüber Holz als Baustoff herzustellen. Ich habe davon bereits gesprochen. Wir sollten aber darüber nachdenken, alle gesellschaftlichen Gruppen, die Politik, die Verbände, die Industrie, das Handwerk, den Handel, die Umweltgruppierungen, die Forstverwaltungen, den gesamten Waldbesitz, die Ausbildungseinrichtungen, die Absatzorganisationen des Holzes, die Presse und viele andere mehr zu einem „Bündnis für Holz“ zusammenzuschließen. Gerade die jüngsten Produkt-entwicklungen mit ihren erhöhten Qualitätsmerkmalen verdienen es insbesondere, die Anwendung zu beschleunigen und in einer gemeinsamen Werkstoffoffensive Massivholz voranzubringen. Dann hat Holz auch in Zukunft insgesamt eine gute Chance.
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